Arbeitsplatz

Alle Arbeitsplatz-Rechner auf einen Blick – wähle den, der zu deinem Team passt.

Die wahre Stunde kostet mehr, als die Lohnabrechnung sagt

Eine Senior-Entwicklerin mit 80.000 Euro Bruttogehalt verdient nach gängiger Kopfrechnung rund 38 Euro die Stunde — 80.000 geteilt durch 2.080 Wochenstunden im Jahr. Diese Zahl steht in den meisten internen Tabellen, in Angebotskalkulationen und in der schnellen Bauchnahschätzung von Meeting-Kosten. Und sie ist falsch. Die echte Stunde, die diese Entwicklerin den Arbeitgeber kostet, liegt zwischen 60 und 75 Euro — fast doppelt so viel.

Dieser Bereich behandelt die Zahl, die niemand auf der Gehaltsabrechnung findet: die voll geladene Stunde. Was der Arbeitgeber-Anteil tatsächlich addiert, welche unsichtbaren Aufschläge dazukommen, wie Freelancer-Stundensätze rechnerisch korrekt mit Festangestellten verglichen werden, und wie man die eigene Stunde realistisch ansetzt — für DIY-Entscheidungen, Selbstständigen-Kalkulation oder die Frage, ob ein Meeting den Aufwand wert ist.

Brutto, Arbeitgeber-Brutto, voll geladene Stunde — drei verschiedene Zahlen

Bei jedem Angestellten existieren mindestens drei unterschiedliche „Gehälter" parallel:

Die Differenz zwischen Brutto und voll geladener Stunde ist nicht klein. Sie liegt regelmäßig bei 70 bis 100 Prozent. Wer mit der naiven Rechnung (Brutto ÷ Vertragsstunden) Meeting-Kosten, Projekt-Budgets oder Make-or-Buy-Entscheidungen kalkuliert, unterschätzt die tatsächliche Belastung um die Hälfte.

Was Sozialversicherungsbeiträge (AG-Anteil) wirklich addieren

Der Arbeitgeber-Anteil zur Sozialversicherung ist gesetzlich festgelegt und für 2026 weitgehend stabil bei den klassischen vier Säulen:

Allein diese vier Beiträge addieren rund 20,5 Prozent auf jedes Bruttogehalt — bis zur jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze. Dazu kommen die Pflichtumlagen, die in der allgemeinen Diskussion oft vergessen werden:

In der Summe liegt der AG-Anteil für ein typisches Büro-Arbeitsverhältnis 2026 bei etwa 21 bis 23 Prozent des Bruttogehalts. Ein Brutto von 60.000 Euro kostet den Arbeitgeber rund 72.500 bis 73.800 Euro an reinen Lohnnebenkosten — noch vor allem, was nicht auf der Sozialversicherungsabrechnung steht.

Benefits, Equipment, Bürofläche — die unsichtbaren Aufschläge

Nach den gesetzlichen Lohnnebenkosten kommen die Aufschläge, die je nach Arbeitgeber stark schwanken — aber selten unter 8.000 Euro pro Vollzeit-Stelle im Jahr fallen:

Allein diese Posten addieren typischerweise weitere 6.000 bis 12.000 Euro pro Jahr und Vollzeit-Stelle. Zusammen mit dem AG-Anteil landet die Stelle, die als 60.000 Euro Brutto im Vertrag steht, bei einem Arbeitgeberaufwand von etwa 80.000 bis 86.000 Euro im Jahr.

Die tatsächlich produktiven Stunden

Die zweite Hälfte der Rechnung ist die Stundenzahl. Die naive Annahme — 40 Stunden pro Woche × 52 Wochen = 2.080 Stunden im Jahr — beschreibt keinen realen Arbeitnehmer. Was tatsächlich übrig bleibt:

Selbst diese 1.328 Stunden sind noch nicht produktiv genutzte Zeit — sie enthalten Meetings, E-Mail, Pausen, Slack-Kontextwechsel, Onboarding-Hilfe für neue Kollegen, Schulungen. Studien zur Wissensarbeit (McKinsey, Microsoft Work Trend Index) schätzen den Anteil tatsächlich konzentrierter, projektbezogener Arbeit auf 3 bis 4 Stunden pro Tag — also etwa 660 bis 880 Stunden im Jahr.

Für die Kalkulation der voll geladenen Stunde wird typischerweise mit 1.300 bis 1.400 Stunden gerechnet. 80.000 Euro Arbeitgeberaufwand ÷ 1.350 produktive Stunden ergibt rund 59 Euro pro Stunde — also etwa 1,76-fach des naiven Brutto-Stundenwerts.

Freelancer vs. Festanstellung — die richtige Rechnung dahinter

Ein Freelancer-Stundensatz von 80 Euro klingt nach „doppelt so viel wie der Angestellte daneben". Stimmt aber nur halb, weil der Freelancer mit dieser Stunde alles selbst tragen muss, was beim Angestellten der Arbeitgeber übernimmt:

Die etablierte Faustregel im Beratungsmarkt: ein Freelancer braucht einen Stundensatz von etwa 2 bis 2,5-fach des Brutto-Stundenlohns eines vergleichbaren Festangestellten, um auf dasselbe verfügbare Einkommen zu kommen. Wer als Festangestellter 60.000 Euro brutto verdient (rund 34 Euro/Stunde Brutto), braucht als Freelancer 70 bis 85 Euro pro abgerechneter Stunde für eine vergleichbare Lebenssituation — und damit netto leicht weniger, wenn man Steuern und Vorsorge gegenrechnet.

Für den Auftraggeber ist es trotzdem oft günstiger, einen Freelancer zu engagieren: nicht weil der Stundensatz niedriger wäre, sondern weil das Risiko (keine Festanstellung, kündbar, kein Onboarding-Verlust bei Projektende) gegen einen Aufschlag eingetauscht wird, der je nach Projektdauer aufgeht oder nicht.

Wie man die eigene Stunde realistisch ansetzt

Die voll geladene Stunde ist nicht nur eine HR-Zahl — sie ist die Basis für Alltagsentscheidungen, in denen Zeit gegen Geld getauscht wird:

Wann der Rechner ins Spiel kommt

Diese Seite klärt, was die Stunde eines Mitarbeiters wirklich kostet. Die konkrete Anwendung auf den häufigsten Belastungs-Posten in Unternehmen — Meetings — liegt im Meeting-Kosten-Rechner. Er rechnet Teilnehmerzahl, Dauer und Gehälter zu einer konkreten Eurosumme um — und wer den Aufschlag aus diesem Bereich (typischerweise +30 bis +50 Prozent auf die naive Zahl) mit einberechnet, sieht die voll geladene Realität.

Häufige Fragen rund um Arbeitskosten und Stundenwert

Angrenzende Bereiche